Der Sueden Zimbabwes zieht deutlich weniger Besucher an als die Klassik-Route Victoria Falls - Hwange. Das ist ein Vorteil fuer diejenigen, die ihn erkunden: weniger Touristenbetrieb, guenstigere Unterkuenfte und zwei Attraktionen von Weltklasse, die auf dem normalen Zimbabwe-Reiseplan kaum auftauchen. Bulawayo ist Zimbabwes zweitgroesste Stadt mit einem aussergewoehnlichen kolonialen Stadtzentrum und dem besten Naturkundemuseum des suedlichen Afrikas. Die Matobo Hills suedlich der Stadt gehoeren zu den landschaftlich dramatischsten Flecken des Landes: Granitbloecke, aufgetuermt wie von Giganten gestapelt, ueber Tausende von Quadratkilometern. Dazu kommen Nashorntracking zu Fuss, San-Felsmalereien aus bis zu 13.000 Jahren Menschheitsgeschichte und ein dichtes Leopardenvorkommen.
Dieser Reiseplan eignet sich als eigenstaendige Suedroute oder als Ergaenzung zur klassischen Zimbabwe-Route: Wer Victoria Falls und Hwange bereits gesehen hat oder sich nach etwas grundlegend Anderem sehnt, findet hier das Richtige.
Reiseplan-Uebersicht
- Tag 1: Ankunft in Bulawayo - Stadterkundung
- Tag 2: Khami-Ruinen und Naturkundemuseum
- Tag 3: Matobo Hills - Nashorntracking zu Fuss
- Tag 4: Matobo Hills - Felsmalereien und World’s View
- Tag 5: Abreise
- Parkeintritt Matobo: 15 USD pro Person pro Tag
- Malaria: niedrig in den Matobo Hills (Hochlage) - Risikobewertung vor Abfahrt pruefen
Tag 1: Ankunft in Bulawayo
Anreise nach Bulawayo
Per Flugzeug von Harare: Taeglich, circa 1 Stunde Flugzeit, 80 bis 120 USD. Schnellste Option; Flughafen Joshua Mqabuko Nkomo International (BUQ) liegt 24 km vom Stadtzentrum entfernt, Taxi circa 15-20 USD.
Nachtzug von Victoria Falls: Der “Bulawayo Express” ist einer der wenigen noch verbliebenen Nachtzuege Zimbabwes und ein unvergessliches Erlebnis. Abfahrt in Victoria Falls um 19 bis 20 Uhr, Ankunft in Bulawayo fruehmorgens um 7 bis 8 Uhr. Preis: 10 bis 20 USD. Der Zug ist langsam und nicht immer puenktlich, aber der Schlafwagen durch die suedzimbabwische Nacht hat seinen eigenen Charme.
Per Bus: Intercape und lokale Busse verbinden Victoria Falls und Bulawayo in circa 6 bis 7 Stunden, circa 15-25 USD.
Stadterkundung am Nachmittag
Bulawayo wurde 1893 von der British South Africa Company gegruendet und gilt als eine der am besten erhaltenen Kolonialstaedte Suedafrikas. Das Stadtzentrum wurde nach einem rechteckigen Rasterschema angelegt, mit breiten Strassen, die breit genug waren, um einen Ochsenkarren vollstaendig zu wenden.
Bahnhof Bulawayo: Der Bahnhof aus dem Jahr 1904 ist eines der architektonisch bedeutendsten Kolonialgebaeude des suedlichen Afrikas - rotes Backsteingebaeude mit weissem Dekor, beeindruckende Halle. Kostenlos zu besichtigen.
Stadtspaziergang: Das Zentrum laesst sich zu Fuss gut erkunden. City Hall, Hauptpost, Fife Street und die Lobbies einiger historischer Gebaeude aus der Kolonialzeit praesentieren eine ungewoehnlich kompakte Architektursammlung.
Zimbabwe Military Museum: Im Cecil Square gelegen, zeigt eine Sammlung militaerischer Ausruestung und Fahrzeuge aus der Kolonialzeit, dem Zweiten Weltkrieg und dem zimbabwischen Unabhaengigkeitskrieg. Eintritt circa 5 USD, 1 bis 2 Stunden.
Mzilikazi Arts and Craft Centre: In dem nach dem Gruender des Ndebele-Koenigreiches benannten Zentrum arbeiten Kuenstler und Handwerker in offenen Ateliers. Shona-Steinskulpturen, Toepferei, Weberei. Interessanter als die meisten Touristenmaerkte, da die Kuenstler anwesend sind.
Abendessen: Bulawayo Club (historisches Kolonialclub-Gebaeude, heute Restaurant), oder lokale Restaurants im Stadtzentrum. Erwarten Sie keine Fine-Dining-Szene wie in Harare; Bulawayo ist entspannter und guenstiger.
Unterkunft Tag 1:
- Cresta Churchill Hotel: Beste zentrale Unterkunft. Gut gepflegt, guter Service. 80-120 USD pro Nacht.
- Bulawayo Rainbow Hotel: Solider internationaler Standard im Stadtzentrum, 60-90 USD.
- Banff Lodge: Boutique-Lodge in angenehmem Vorort, etwas persoenlicher als die Kettenhotels, 100-150 USD.
Tag 2: Naturkundemuseum und Khami-Ruinen
Morgens: Natural History Museum of Zimbabwe
Das Natural History Museum von Bulawayo ist eines der besten Naturkundemuseen des gesamten suedlichen Afrikas und wird selbst von Besuchern, die Museen normalerweise meiden, als bemerkenswert empfunden. Die Haupthalle praesentiert ein praepariertes Exemplar eines der groessten afrikanischen Elefanten, der je erleget wurde - das zweitgroesste ausgestopfte Elefantenexemplar der Welt. Daneben bieten naturkundliche Ausstellungen zu zimbabwischer Geologie, Archaeologie, Vogelkunde und Palaeontologie einen erschoepfenden Ueberblick.
Die Kollektion zimbabwischer Voegel ist besonders wertvoll fuer Ornithologen, die die Region erkunden moechten. Eintritt: circa 5 USD. Empfohlene Besuchsdauer: 2 bis 3 Stunden.
Nachmittags: Khami-Ruinen
Die Khami-Ruinen liegen 22 km westlich von Bulawayo (circa 30 Minuten Fahrt) und sind ebenfalls UNESCO-Welterbe. Sie wurden im 15. und 16. Jahrhundert als Hauptstadt des Torwa-Reiches errichtet, das dem bekannteren Great-Zimbabwe-Reich nachfolgte. Die Ruinen sind kleiner, aber in vielen Bereichen besser erhalten als Great Zimbabwe, und die abgeschiedene Lage bedeutet: deutlich weniger Besucher.
Die Architektur zeigt raffinierte Stein-Mosaike und Dekorativmuster in den Mauern - ein charakteristisches Merkmal der Torwa-Steinbaukunst. Ein lokaler Guide (vor Ort buchbar, 15-25 USD) erklaert die Hintergruende und Ausgrabungsgeschichte. Eintritt: circa 5 USD.
Nachmittags alternativ: National Art Gallery Bulawayo (stadtzentrumsnah, 1-2 Stunden, bescheidenere Sammlung als Harare, aber empfehlenswert fuer zeitgenoessische zimbabwische Kunst, kostenlos oder geringe Gebuehr).
Abend: Braai (Suedafrikanisches BBQ) in einem der lokalen Restaurants. Bulawayo hat gute Fleischrestaurants zu guenstigen Preisen.
Tag 3: Matobo Hills - Nashorntracking zu Fuss
Die Matobo Hills liegen 35 km suedlich von Bulawayo, circa 45 Minuten Fahrt. Der UNESCO-Welterbe-Status (2003) beruht auf der Kombination aus aussergewoehnlicher Landschaft, reicher San-Felsmalerei-Geschichte und biologischer Vielfalt.
Die Hills sind eine Anhaefung von Granitbloecken und Kopjes (Felshuegel), geformt durch Millionen von Jahren Erosion. Das Ergebnis ist eine der surrealistischsten Landschaften Zimbabwes - riesige Steine, balancierend aufgetuermt, von der trockenen Savanne umgeben.
Morgens: Nashorntracking
Das Nashorntracking zu Fuss ist das Hauptereignis und der Hauptgrund, warum viele Reisende die suedliche Route waehlen. Die intensive Schutzzone der Matobo Hills (Intensive Protection Zone, IPZ) beherbergt eine der groessten Populationen weisser Nashhoerner Zimbabwes sowie mehrere schwarze Nashhoerner. Die Tiere werden von einem dedizierten Ranger-Team rund um die Uhr bewacht.
Wie es funktioniert: Gruppen von maximal acht Personen gehen fruehmorgens (ab 7:30 Uhr) mit einem lizenzierten bewaffneten Ranger und einem erfahrenen Tracker los. Der Tracker findet die Tiere anhand frischer Spuren und Geruch. Wenn die Nashhoerner lokalisiert sind, naehert sich die Gruppe zu Fuss auf 15 bis 50 Meter. Weisse Nashhoerner sind ruhiger und tolerieren menschliche Annaeherung besser als schwarze; beide koennen gefaehrlich werden, wenn sie aufgeschreckt werden.
Die Erfahrung ist voellig anders als ein Nashhorn-Fahrzeug-Sighting: Man steht im offenen Busch, ein paar Meter von einem der letzten grossen Nashhoerner Afrikas entfernt, hoert es atmen. Das ist ein unvergesslicher Moment.
Dauer: 2 bis 4 Stunden je nach Spurenlage. Gute Kondition und geeignetes Schuhwerk erforderlich.
Kleidung: Neutrale Farben (Khaki, Olivgruen, Grau). Kein Weiss, kein Hellblau, kein Leuchtorange. Ruhiges Auftreten. Keinen starken Duft tragen.
Kosten: 80 bis 120 USD pro Person. Im Voraus buchen: Matobo Hills Safaris, oder die Lodge erledigt die Reservierung.
Nachmittags: Game Drive im Park
Nachmittaeglicher Game Drive im Matobo Nationalpark. Neben Nashhoernern beherbergt Matobo die nach Berechnungen dichtest besiedelte Leopardenpopulation pro Quadratkilometer in Afrika - obwohl Leoparden schwer zu sehen sind, sind die Chancen hier ungewoehnlich gut. Dazu: Sable-Antilope (eine der schoensten Antilopen Afrikas), Zebra, Giraffe, Wasserboeck, Bueffel und ueber 400 Vogelarten.
Maertialer Adler, Bateleur-Adler und Afrikanischer Schlangenadler sind drei ikonische Greifvoegelarten, die in Matobo regelmaessig gesichtet werden - das Granitgebirge bietet ideale Horstbedinungen.
Parkeintritt: 15 USD pro Person pro Tag.
Unterkunft Tage 3-4 in den Matobo Hills:
- Amalinda Lodge: Eindrucksvolle Luxuslodge, buchstaeblich in die Granitfelsen gebaut. Exklusiv, hervorragend. 300-500 USD pro Person und Nacht, alles inklusive.
- Big Cave Camp: Mittlere Preisklasse, ebenfalls in den Felsen integriert, gutes Preis-Leistungs-Verhaeltnis. 150-250 USD alles inklusive.
- Maleme Rest Camp (ZPWMA): Staatliche Chalets im Park. Einfach, aber gut gelegen. 50-80 USD pro Nacht.
Tag 4: Matobo Hills - Felsmalereien und World’s View
Morgens: World’s View und Rhodesgrab
World’s View (Malindidzimu, auf Sindebele “Ort der Geister”) ist ein Granit-Gipfel, von dem aus sich eine 360-Grad-Aussicht ueber die Matobo Hills erstreckt. Hier liegt das Grab von Cecil Rhodes, dem britischen Kolonialisten, Gruender der British South Africa Company und Namensgeber Rhodesiens. Auch das Grab von Dr. Leander Starr Jameson und ein Denkmal fuer die britischen Truppen, die bei der Matabele-Revolte von 1896 getoetet wurden, befinden sich hier.
Die Geschichte des Ortes ist vielschichtig: Fuer Ndebele-Zimbabwe war Malindidzimu ein heiliger Ort der Ahnen - Rhodes waehlte ihn bewusst als Begrabungsort, um seinen Anspruch auf das Land zu symbolisieren. Heute ist der Ort fuer zimbabwische Geschichtsinteressierte ebenso bedeutsam wie fuer Naturliebhaber, die den Ausblick geniessen.
Aufstieg: 20-30 Minuten zu Fuss ueber grob gepflasterten Pfad. Eintritt via Nationalpark-Gebuehr.
Nachmittags: San-Felsmalereien
Die Matobo Hills beherbergen die reichste Konzentration an San-Felsmalereien in Zimbabwe - Tausende von Malereien an Hunderten von Standorten, das aelteste datierbar auf circa 13.000 Jahre. Die San (Buschmaenner) nutzten die Felsuebernhaenge als Unterkuenfte und malerische Flaechen; die Bilder zeigen Jagdszenen, Tiere, Menschen und rituelle Bilder, die mit schamanischen Praktiken in Verbindung gebracht werden.
Nswatugi Cave: Einer der zugaenglichsten und eindrucksvollsten Standorte. Grossflaechige Malereien mit Giraffen, Zebras, Wildhunden und menschlichen Figuren in ausgezeichnetem Erhaltungszustand. Gefuehrte Wanderung vom Parkeingang, 30-50 USD pro Person.
Pomongwe Cave: Ein weiterer bedeutender Standort mit einer der groessten Malflaechen der Region. Rote und weisse Pigmente, sehr detaillierte Tier-Darstellungen.
Guide ist zwingend erforderlich: Felsmalereien duerfen nicht ohne Fuehrer besucht werden - zum Schutz der Bilder (Beruehren verboten) und zur Orientierung im Gelaende. Die Guides erklaeren die ikonographischen Bedeutungen und geben Kontext zur San-Kultur.
Birdwatching nachmittags: Matobo gilt als eines der besten Vogelbeobachtungsgebiete Zimbabwes fuer Greifvoegel. Mit ueber 400 Arten und einer besonders dichten Adler- und Falkenpopulation ist der Park fuer Ornithologen hoechst attraktiv. Verroths Adler (Verreaux’s Eagle), der auf Klippschliefern spezialisiert ist, kommt in Matobo vor - einer der spektakulaersten Adler Afrikas.
Tag 5: Abreise
Morgens: optionaler fruehmorgenlicher Game Drive oder kurzer Spaziergang.
Rueckkehr nach Bulawayo (35 km, 45 Minuten). Von Bulawayo bestehen folgende Abreiseoptionen:
Per Flugzeug: Taegliche Fluege nach Harare (1 Stunde, 80-120 USD). Wochentliche Direktfluege nach Johannesburg (etwa 1,5 Stunden, 120-200 USD je nach Saison).
Per Bus nach Victoria Falls: Intercape oder lokale Busse, circa 6-7 Stunden, 15-25 USD. Gut, wenn der naechste internationale Abflug aus Victoria Falls geht.
Per Nachtzug nach Victoria Falls: Gleich wie die Anreise - langsam, aber unvergesslich. Abfahrt abends.
Praktische Hinweise fuer die Suedroute
Sprache: Bulawayo ist das Herzland des Ndebele-Volkes. Die lokale Sprache ist Sindebele, nicht Shona (wie in Harare und dem Norden). Grussformel: “Sawubona” (Ich sehe dich, Gruss). Danke: “Ngiyabonga”. Diese wenigen Worte werden sehr positiv aufgenommen.
Malaria: Deutlich geringer als in Mana Pools oder Hwange. Matobo liegt auf einer Hoehe von circa 1.300 bis 1.500 m, was das Risiko reduziert. Dennoch: Insektenschutzmittel mitbringen und Risikobewertung vor Reisebeginn beim Tropenarzt einholen.
Sicherheit: Bulawayo gilt als sicher und entspannt, auch im Verhaeltnis zu Harare. Das Stadtzentrum ist tagesuebers problemlos zu Fuss erkunden. Nachts wie ueberall in afrikanischen Staedten: Taxi statt Fussmarsch.
Bargeld: USD-Bargeld wichtig. Geldautomaten in Bulawayo vorhanden und im Allgemeinen zuverlaessiger als in Victoria Falls.
Wetter: Suedlicher und hoeher als Hwange oder Mana Pools. Angenehmer im Oktober, weniger extrem heiss. Kalt in der Nacht von Juni bis August.
Nashorntracking-Buchung: Unbedingt mindestens 2 bis 3 Tage im Voraus buchen - die taeglich verfuegbaren Plaetze sind begrenzt und waehrend der Hochsaison schnell ausgebucht. Die meisten Unterkuenfte erledigen die Buchung auf Anfrage.